Archiv für März, 2008

TAG 40

Posted in Die Sechste Woche on 31 März, 2008 by Limbo

Was geht hier vor sich? Sie verlangen nichts von mir und niemand kommt um nach mir zu sehen. Alles um mich herum ist still in dieser Dunkelheit. Ich muss versuchen, mich von meinen Fesseln zu befreien, ich vermute sie sind gar nicht mehr hier.

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TAG 39

Posted in Die Sechste Woche on 30 März, 2008 by Limbo

Sie müssen mich überrascht haben, ich weiß nicht wie, war nicht darauf vorbereitet. Ohne Leiter hätten sie nicht hinauf kommen können, irgendwie haben sie es trotzdem geschafft. Es hat sich angefühlt wie ein Schlag auf den Hinterkopf, dann muss ich das Bewusstsein verloren haben.

Als ich wieder zu mir kam war alles um mich herum dunkel. Motorengeräusche betäubten mich,  sie mussten mich in den Kofferraum gelegt haben. Wohin haben sie mich gebracht? Das können sie doch nicht einfach so tun.

Ich bin hier festgeschnallt. Meine Arme und Beine sind nicht mehr Teil meines Körpers. Meinen Kopf kann ich drehen, aber es hat keinen Sinn, sie haben mir die Augen verbunden. Irgendwer betritt den Raum, ich höre wie sich mir Schritte nähern, dann streicht eine Hand über meine Wange. Sie ist weich und dünn, gehört eindeutig einer Frau. Sie ist es, ich es ihr Flüstern: „Es tut mir leid“, sagt sie. „Es tut mir so leid.“

Ich versuche ein Geräusch hervor zu bringen, doch es gelingt mir nicht.  Vorsichtig setzt sie mir ein Glas an die Lippen. Will sie mich vergiften? Ich trinke einen Schluck, es ist nur Wasser.

Was haben sie mit mir vor? Sie füttert mich mit etwas, dass ich nicht identifizieren kann, drückt mir einen Kuss auf die Wange und geht wieder. Ich möchte ihr etwas hinterher rufen, bin jedoch zu schwach.

Ich muss eingeschlafen sein, aber es ändert auch nichts. Hier liege ich in völliger Einsamkeit, kann nicht sehen, mich nicht bewegen und niemand ist hier. Ob sie mich wohl beobachten? Ich rüttele an meinen Fesseln, doch sie sind zu fest. Also bleibe ich hier liegen und warte. Ich warte und warte…

TAG 38

Posted in Die Sechste Woche on 30 März, 2008 by Limbo

Es ist dunkel. Mein Kopf tut weh. Ich weiß nicht, wo ich bin. Sie bringen mich fort…

TAG 37

Posted in Die Sechste Woche on 28 März, 2008 by Limbo

Es muss Mittag sein, als ich aufwache, ich drehe mich verschlafen herum und erkenne, dass sie verschwunden ist. Als ich aus der Scheune trete blendet mich die Sonne und für einen Augenblick befürchte ich, davon blind zu werden. Noch bevor sich meine Augen beruhigt haben, nähert sie sich mir und tippt mir auf die Schulter. Ich sehe nur verschwommen und blicke sie mit zusammen gekniffenen Augen an. „Komm mit!“ sagt sie und ich folge ihr.

Sie geht auf das Bauernhaus zu, dessen Eingangstür nun offen steht und führt mich hinein.

„Der Hof hat früher einmal meinen Großeltern gehört, als Kinder haben wir auf dem Heuboden verstecken gespielt“, erklärt sie und wir betreten die Küche, wo sie etwas zu essen hergerichtet hat. Ich schaue mich in der Küche um, hier sieht alles aus, wie man es erwartet. Nichts weiß darauf hin, dass hier niemand mehr wohnt.

„Und wo sind deine Großeltern?“ frage ich sie.

„Sie sind tot.“

Sie erkennt die Frage in meinem Blick anscheinend.

„Vor ein paar Wochen bin ich hier her gekommen und habe geputzt. Auch die Lebensmittel sind frisch, mach dir mal keine Sorgen.“

Vor ein paar Wochen. Hat sie diese Flucht, oder als was auch immer man es bezeichnen müsste also schon länger  geplant?

Während wir frühstücken wird der Drang sie zu fragen, was hier überhaupt vor sich geht immer stärker, doch seltsamerweise bekomme ich kein Wort heraus. In meinem Kopf lege ich mir alles zurecht, doch was auch immer mich gerade interessiert erscheint mir zu plump, zu persönlich oder zu belanglos.

Auch sie ist still, wie auf der Autofahrt schon. Nachdem wir gemeinsam den Abwasch erledigt haben führt sie mich wieder nach draußen und schließt die Haustür ab.

„Wäre es nicht besser im Haus zu bleiben?“ frage ich.

„Vermutlich, aber ich bin nicht gerne da drinnen. Es ist…“ sie schluckt. „Es ist besser, wenn ich dir das alles ein anderes Mal erkläre.“

Dies scheint mir die perfekte Überleitung zu sein, um sie zu fragen wer uns folgt und aus welchem Grund, doch noch bevor ich etwas sagen kann erklärt sie mir: „Hör mal, ich muss noch mal ein paar Stunden weg. Ist es in Ordnung, wenn du hier auf mich wartest?“

„Was? Was soll ich denn die ganze Zeit machen? Was ast du denn überhaupt vor?“

„Ich habe noch etwas zu erledigen. Und es wäre besser, wenn ich es alleine mache. Es wird auch nicht lange dauern. Du kannst hier anstellen was du willst, in Ordnung?“

Ich nicke nur, was bleibt mir schon anderes übrig? Und dann verschwindet sie, zu Fuß. Ich bleibe auf dem Hof zurück, schlendere ein wenig herum, doch es findet sich nichts, mit dem ich mich beschäftigen könnte.

Ich kehre in die Scheune zurück und steige auf den Heuboden. Dort greife ich mir mein Notizbuch und beginne ein wenig zu schreiben. Die Stunden ziehen sich träge dahin und sie kehrt nicht zurück.  Es ist wirklich seltsam, ich habe sie noch nicht einmal nach ihrem Namen gefragt.

Als es zu dämmern beginnt, wird es unheimlich hier alleine auf dem Hof. Die Luft kühlt sich ab, überall knackt und raschelt es. Wieder ziehe ich die Leiter zu mir nach oben auf den Heuboden und hole meine Taschenlampe hervor.

Wieder vergehen Stunden, die ich alleine auf dem Heuboden sitze und in mein Buch schreibe, belanglose Dinge, denen ich selber keine Bedeutung zumessen kann, dann höre ich Motorengeräusche. Ich lösche das Licht und lausche. Ein Wagen hält auf dem Hof. Ich kauere mich im Stroh zusammen und warte. Ich kann Schritte hören. Dann knarrt die Tür der Scheune. Ich halte die Luft an und schließe die Augen.

TAG 36

Posted in Die Sechste Woche on 27 März, 2008 by Limbo

Es gelingt mir nicht, noch einmal einzuschlafen. Leise, um sie nicht zu wecken, steige ich die Treppe herunter, verlasse die Scheune und begehe den Bauernhof wenig. Er ist wirklich nicht besonders, rech klein und unscheinbar sogar. Außer der Scheunen gibt es noch einen kleinen, leer stehenden und verwitterten Stall, in dem mal Kühe gehalten wurden sein mussten, wenn mich nicht alles täuscht. Ein beißender Geruch steigt mir immer noch in die Nase.

Das Bauernhaus selber scheint in tadellosem Zustand zu sein. Ich werfe einen Blick durch eines der Fenster. Es gibt kein Anzeichen dafür, dass hier heute noch irgendjemand lebt. Zwar stehen noch Möbel im Inneren, aber von Leben keine Spur. Auch befinden sich auf dem gesamten Gelände keine Fahrzeuge. Ich frage mich, warum sie es sich dann jedoch in der Scheune gemütlich gemacht hat, anstatt im Haus zu nächtigen.

Ich prüfe die Haustür, sie ist verschlossen. Doch mit welcher Leichtigkeit sie Autos klaut und in meine Wohnung eingedrungen ist, dürfte auch das kein Hindernis für sie sein.

Wenn man sich umschaut, dann gibt es hier kilometerweit nichts, außer diesem Hof. Er liegt mitten im Nirgendwo, zwischen Wiesen und kleinen Wäldchen. Sie muss hier aus der Gegend stammen, da bin ich mir sicher, sonst würde sie diesen Ort nicht kennen. In gewisser Weise erleichtert es mich, denn hier wird es schwer sein uns zu finden. Sofern uns überhaupt jemand folgen sollte. Sie schien sich ihrer Sache recht sicher zu sein, doch bezweifle ich immer noch ernsthaft, dass uns wirklich eine Gefahr droht. Sicher könnte es unangenehm sein, aber so schlimm, dass man sich dafür hunderte von Kilometern ins Unbekannte flüchten müsste?

Sie weiß natürlich, wer uns folgen könnte und wird dis bestimmt nicht aus purer Freude machen. Doch wie passe ich da rein?

Mir ist klar, dass ich keine Lösung dafür finde, auch nicht hier auf dem Hof. Das einzige was ich tun kann ist darauf zu warten, dass sie aufwacht und mir alles erklärt. Also kehre ich in die Scheune zurück, steige die Leiter hinauf und setze mich ins Heu. Mir fällt ein, dass es von Vorteil sein könnte, sollte und jemand folgen und eventuell sogar finden, nicht so leicht entdeckt zu werden. Ich stehe noch einmal auf und ziehe die Leiter nach oben. Sie ist schwerer als ich gedacht habe, aber es gelingt mir. Ich lege das alte Ding vorsichtig auf den Boden. Nun sollte es nahezu unmöglich sein, hier herauf zu kommen.

Ich lege mich hin und schließe die Augen. Erschöpft bin ich, aber nicht wirklich müde. Der Schlaf lässt lange auf sich warten. Ich denke an zu Hause.

TAG 35

Posted in Die Fünfte Woche on 26 März, 2008 by Limbo

Wir fahren so lange, wie die Tankfüllung reicht. Nachdem die Reserveleuchte aufblinkt, fährt sie von der Autobahn ab, jedoch nicht um zu tanken, wie ich annehme, sondern um einen neuen zu stehlen. Mit der selben Leichtigkeit wie zuvor schließt sie ihn kurz- und wir fahren wieder auf die Autobahn. Immer noch blickt sie häufig nervös in den Rückspiegel und spricht kein Wort. Auch ich bin zu müde zum reden, zu erschöpft, fühle mich in gewisser Weise ausgebrannt. Hin und wieder frage ich mich, wies es dazu kommen konnte, was ich hier überhaupt mache und warum gerade ich hier rein geraten bin. Sehnsüchtig erwarte ich ihre Erklärung.

Als es anfängt Dunkel zu werden fährt sie erneut von der Autobahn ab. Ich kenne die Gegend nicht, in der wir uns befinden, doch ihr scheint sie bekannt zu sein. Sie fährt auf eine Bundesstraße, die sich Kilometer weit durch ein Nichts von Wiesen, Wäldern und Feldern zieht. Irgendwann hält sie unvermittelt an und befiehlt mir auszusteigen. Ich blicke sie fragend an, doch anstatt einer Erklärung bekomme ich lediglich noch einmal die gleiche Aufforderung. Ich greife nach meiner Sporttasche auf dem Rücksitz und steige aus. Sie folgt mir, geht um den Wagen herum, bittet mich anschieben zu helfen und gemeinsam gelingt es uns ihn in eine Grube rollen zu lassen. Warum wir was tun ist mir in diesem Moment noch ein Rätsel, doch in gewisser Weise traue ich ihr.

Ich folge ihr über eine die riesigen Wiesen, sie scheint die Gegend wirklich bestens zu kennen. Nach etwa einem Kilometer Fußmarsch durch die kalte Nacht gelangen wir zu einem verlassenen Bauernhof. Sie muss von ihm gewusst haben und ihn sich die ganze Zeit schon als Ziel ausgesucht haben. Ich folge ihr in die leer stehende Scheune, wo sie sofort über eine Leiter auf den Heuboden klettert. Ich krame meine Taschenlampe aus meiner Tasche hervor und versuche alles zu überblicken. Hier steht viel Gerümpel rum, nichts Brauchbares leider. Ich steige die brüchig wirkende Leiter auf den Heuboden empor, will sie fragen, wie es jetzt weitergeht, doch sie hat sich bereits in das Heu gelegt und ist eingeschlafen. Morgen vielleicht.

Ich setze ich neben sie auf das Heu und blicke mich in der Scheune um. Es ist in Ordnung hier zu sein, doch sehne ich mich nach meiner Wohnung. Schmerzlich denke ich an all die Dinge, die ich dort zurück gelassen habe und hoffe, dass niemand die offene Tür bemerkt.

An Schlaf ist zur Zeit noch nicht zu denken. Still sitze ich einfach nur da, lösche das Licht und starre in die Dunkelheit, begleitet von ihrem, immer ruhiger und gleichmäßiger werdendem Atem.

TAG 34

Posted in Die Fünfte Woche on 25 März, 2008 by Limbo

Sie sagt, sie kann mir nicht alles erzählen- noch nicht. Aber sie wird es, sobald wir in Sicherheit sind. Ich weiß nicht was ich davon halten soll. Sie bittet mich, mit ihr aufs Land zu verschwinden, dort würden sie uns nicht finden. Sie- ein vollkommen schwammiger Begriff. Wer sind „sie“? Natürlich denke ich an den Riesen, aber wissen kann ich es selbstverständlich nicht, genauso wenig, um wie viele es sich handelt und was sie tun, sollten sie uns finden.

Wieso sie ausgerechnet mir traut, frage ich und sie weiß keine Antwort darauf, fleht mich nur noch einmal an, und sagt ausdrücklich, dass wir jetzt, aber besten schon vor fünf Minuten, los müssten.

Am liebsten würde ich nein sagen, mich einfach aus dieser ganzen Sachen heraus halten, aber ein Blick in ihre tiefgrünen Augen macht es mir nicht einfach. Evolutionstechnisch ist es wohl ganz normal, dass sich Frauen an Männern wenden, wenn sie Hilfe brauchen, weil sie wissen, dass wir nicht in der Lage sind es abzulehnen. Sind die Beschützerinstinkte erst einmal geweckt, handeln wir nicht mehr wie denkende Wesen. Während sie am Küchentisch sitzen bleibt, packe ich in meinem Schlafzimmer ein paar Dinge in meine Sporttasche. Kleidung, mein  Notizbuch, etwas zu Essen, das große Küchenmesser.

Als ich die Küche wieder betrete, steht sie auf und schaut mich an. Draußen scheint die Sonne, aber es scheint kalt zu sein. Der Tag wirkt so zerbrechlich wie dünnes Glas.

Ich nicke ihr zu, als Zeichen von hier zu verschwinden. Wohin, steht noch nicht fest, wie, das wissen wir nicht. Sie sagt, wir müssen ein Auto suchen, sie selber hat keins, aber es gäbe genug davon, die niemand mehr benutzt.

Vorsichtig schleichen wir uns aus meiner Wohnung und durch den Hausflur, raus auf die Straße, um die nächste Ecke, laufen Richtung Stadtzentrum wo sie einen Wagen entdeckt. Niemand ist zu sehen. Besorgniserregend routiniert bricht sie die Tür auf und schließt den Wagen kurz. Auf meine Frage, woher sie weiß, wie sowas geht, antwortet sie nicht. Sie setzt sich hinter das Steuer und gibt mir zu verstehen, dass ich auf dem Beifahrersitz platz nehmen soll. Der Wagen setzt sich in Bewegung, die Häuserfassaden rasen an uns vorbei, wir nehmen die Autobahn Richtung Süden- warum wissen wir beide nicht, haben aber ein gutes Gefühl dabei. Immer wieder wirft sie einen Blick in den Rückspiegel, doch die Straßen sind wie ausgestorben. Sie redet nicht, das Radio bleibt stumm. Lediglich das Brummen des Motors begleitet unsere Fahrt. Ich überlege noch sie zu fragen, warum die Wohnung leer war, als ich dort eingedrungen bin, schaffe es aber nicht mehr, mir fallen die Augen zu.